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STOMPER 98 "Althergebracht"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

03-2018

Label: 

Genre(s): 

Es ist 'ne längere Weile her, dass ich mal checkte was die seit 1.998 bestehenden (da hat jemand ein rundes Jubiläum anno 2.018!) Stomper 98 rund um Toxpacker Tommi Tox so treiben. Zuletzt ging "Löwenherz" vom letzten Full Length Release "...bis hierher!" (*2.012) mega gut zu Ohren und hinterließ die inwendige Memo, dass man das nächste Album unbedingt anchecken sollte. Zwischendrin gab es die witzig betitelte Split 7 Inch Vinyl "Druschba Freundschaft" (*2.016), bevor (oder während?) man im Begriff war das Label zu wechseln. Nicht nur, dass man "Althergebracht" u. a. kalifornische Produktionsluft einverleibte, nein, man holte sich mit Lars Frederikson (*Rancid; ex-UK Subs) einen Neuzugang in die Reihen der Saitenflanken und setzte so vorab bereits das Signal, dass "Althergebracht" definitiv keine Kopie vorheriger Platten sein würde.

In den relativ überschaubaren Wust aus deutschsprachigen Oi-Kapellen besetzen Stomper 98 mittlerweile die Oberliga der '90er Oi Generation, neben international anerkannten Bands wie Perkele z. B., dazu Gigs in Los Angeles, San Diego, Boston, New York City, London, Oslo, Paris, Athen, Barcelona, Prag, Wien u. a. unterstreichen die Position von Stomper 98 nicht nur, sondern entkräften auch locker jedwede Vorwürfe die der Band immer wieder oberflächlich nachgesagt werden. Zwar wird auch "Althergebracht" schon des Albumtitels wegen in einigen Ohren/Köpfen polarisieren, aber recht machen kann man es so oder so nicht allen (mich persönlich eingeschlossen). 

Ich persönlich tue mir mit deutschsprachigem Oi ohnehin öfter mal schwer, einfach, weil es ja doch zu viele Bands gibt die sogen. "deutsch Rock" alias "Saufen, Ficken, Oi" mit dem '69er Movement verwechseln, dem es darum ging den Dreck der Straße/Gosse/Unterschicht/Unzufriedenheit in die Musik fließen zu lassen, sei es via Reggae- oder Street Rock Elementen. 

Mit "Skinhead" (Track 1) gehen es Stomper 98 ziemlich fett (vom Sound her) an und erinnern dabei an ein wenig an Hardcore Punk Kapellen, worunter sich textliche Querverweise zu den unpolitischeren Skinheadstücken der Böhsen Onkelz nicht von der Hand weisen lassen. Seltsamerweise kommen Stomper 98 hierbei recht nahe an den Toxpack Sound zwischen 2.007-2.011 heran, was auch eine Brücke zu "Wir folgen den Rufen" (Track 2) baut. Im 20. Jahr des Bestehens darf man schon mal auf zwei Dekaden zurückblicken und ein wenig nostaligisch werden. Schade nur, dass das gerade im deutschsprachigen Oi/Rock-Sektor mittlerweile zum quasi "guten" Ton gehört. Musikalisch ist dieses Stück deshalb um ein vielfaches interessanter als textlich. 

Zumindest kommt "Keine Helden" (Track 3) mehr in Richtung Reflektion der Gesellschaft, resp. dieser Zeiten. Vielleicht liegt hierin auch der Unterschied der Herangehensweise des Punk und Oi Spirits? Während Punks "Helden" meist von Natur aus in ihrer Glorifizierung ablehnen, kommt es in Oi Kreisen der Unterschicht nicht selten vor, dass man sich nach Rettung sehnt. Gedanklich ein wirklich interessanter Ansatz, der bei Stomper 98 klare Oi Gewichtung innehat. In diese gedanklichen Fahrtwasser passt "Gesetz der Straße" (Track 4; Anspieltip I) nahezu perfekt an den Bug. Erneut geht es tempomäßig in schön dreckigen HardcorePunk Unterwasser zu, während stellenweise das Schlagzeug kurz hervorblitzen darf. 

Sebi Stomper (voc.) klingt keifiger und hat deutlich mehr Schaum vor dem Mund, was (erneut/immer mal wieder) an den jüngeren Schulle erinnert. Auch hier wird "Gesellschaftsfraß" vorgesetzt und ausgespuckt, was nicht schmeckt - "Nichts ist für immer" (Track 5). Lediglich mit dem Pathos von "Schlacht", "zum Kampf geboren" kann ich persönlich nichts anfangen. Dann doch lieber weitere Saxphonklänge, die sich unter charmante Nostalgie/Erinnerungen mischen - "Für den Augenblick" (Track 6; Anspieltip II). Und wenn es unbedingt um "Kampf" für etwas gehen muss, dann kriegen mich eher Stücke wie z. B. "Freiheit" (Track 7; Anspieltip III). Überraschenderweise geht das akustisch ins Rund und bringt eine Art Lagerfeuer/Unplugged Atmosphäre mit, die sogar ein klein wenig an Ostzeiten zurückerinnert. Die Älteren unter Euch werden da auch an bestimmte Ost-Bands denken. ;-)

Von der Gesellschaftskritik folgt mit "Agenda der Angst" (Track 8; Anspieltip III), rein vom Titel her liest sich das mittlerweile wie ein Toxpack Titel von "Friss!" (was aber nicht der Fall ist!). Stomper 98 geben hier allerdings ordentlich Schub und es gelingt den ganzen Dreck von Hartz IV Beschlüssen und Kategorisierungen/Degradierungen einer Zwei-Drei-Klassengesellschaft in einen wütenden Song zu packen. Dagegen stinkt "Diese Nacht" (Track 9) als typischer Suffsong ab, wobei darin zumindest der Ur-Punk-Spirit in Sachen "No Future" etwas mitschwingt. 

Erst jetzt kommt das Albumtitelstück "Althergebracht" (Track 10) zum Zuge. Textlich werden stellenweise sogar mit Worten Bilder gemalt. Manchmal zwar noch etwas im Pathos, allerdings musikalisch lockerer unterstrichen, so dass es nicht zu sturstarr wirkt, trotz der resoluten Ansage. In ähnlicher Thematik, just etwas tiefgängiger angesiedelt, geht es auch bei "Wir stehen hier" (Track 11) weiter. 

Glaubte ich nicht zu wissen, dass Stomper 98 ganz, ganz weit von Atrocity und Das Ich entfernt sind, könnte man den Titel "Die Todgeweihten grüßen Euch" (Track 12) zumindest als "entliehen" bezeichnen. Dank Sebi Stomper klingen Stomper fies wie eh und je. Den Wiederekennungswert kann man Stomper 98 definitiv nicht strittig machen. Lediglich die vermehrt eingestreuten "Ohoho" Chöre tragen eindeutiges Toxpack Stilblut in sich. ;-) 

Mit "Alter Freund" (Track 13) geht ein Gruß in Richtung Himmel und beschließt dieses knapp dreiviertelstündige Album wie den Kreislauf des Lebens selbst. Mich persönlich lässt dieses Album etwas unentschieden zurück. Da mag es vielen da draußen deutlich anders gehen?! 

6,85/10 Schafe Schüsse

(Contra Records/Edel Distribution 2.018)

http://www.stomper98.de/

https://www.facebook.com/Stomper98/

Danny B

Schaf Schüsse: 

6
Eigene Bewertung: 6

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