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MISS VELVET & THE BLUE WOLF

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

11-2017

Label: 

Genre(s): 

Schon allein der Bandname klingt nach einem abgefahren Retro-Roadtrip in ferne Zeiten, die (bedingterweise) nur die Ü40er (+ aufwärts) noch in den dunkleren Erinnerungswinkeln ihres Lebens als Rest des gefühlten Gesterns/Anfang erster mit Erinnerungen befüllten Lebensjahre in den Hirnwindungen haben. Fürwahr selten, dass man nostalgisch jene Jahre hinterherjammert/nachtrauert, sondern eher demütig dankbar ist. (um es klar zu umreißen, meine ich damit die Zeitspanne ab den '70er Jahren) Jede Zeit hat ihre Ups & Downs und damit auch ihre Namen, Stile und Skills. Was sich dabei allerdings doch sehr scharfkantig von der heutigen Zeit unterscheidet, ist die Tatsache, dass die '70er Jahre der gesamten, besaiteten Musiklandschaft eine derart neue Kreationsrichtung in Sachen Schub mitgegeben hat (die freilich in den '60ern erste Anfänge nahm), dass jegliche Rock, Trash/Garage, Billy, Metal, Punk, Hardcore oder auch Goth Bands von den aufkommenden Stilen und Macharten profitierte(n). Erstaunlich genug, dass selbst heutzutage noch immer wahnsinnig interessante Bands, Songs - ja sogar Substile erblühen und somit dem Fluss Leben und Bewegung zuverleihen. Ein echtes Lebensgeschenk, das einem viel zu selten tiefenbewusst ist. 

Genau an dieser Stelle komme ich zu dem US-amerikanischen Oktett(!) namens Miss Velvet & The Blue Wolf, das große Namen wie James Brown, Steven Tyler (*Aerosmith), Etta James und Jim Morrison (R.I.P.) im musikalischen Stoff verinnerlicht hat. Und sogar mehr noch...

In Europa markierte die 3 Track EP "Dare" deren europäisches Debüt (*erschienen im März diesen Jahres; 2.017), wovon ich persönlich allerdings so gar nichts mitbekam. Dennoch vermute ich, dass man innerhalb der Fachjournaillienkreise große Ohren bekam. Ich jedenfalls bekam sie bereits beim Erstcheck, noch bevor "Bad Get Some" mich überhaupt erreichte. Von der Assoziation des Albumtitels her, musste ich sofort an In This Moment denken, was in gewisser Weise auch stimmt, wenn man die Power der satten Kraft in der Stimme von Miss Velvet hört, die dem Sound erst diese Energie, dieses unausweichlich-zentriert Lebendige zuverleiht. Ist die Musik der "Bad Wolves" der Body, steht die Stimme von Miss Velvet für den Saft, der durch die Adern fließt und dementsprechenden für die Wahrnehmung (auf breiter Ebener) sorgt, was sich bereits beim Opener "Bad Get Some" (Track 1; Anspieltip I) hörbar nachvollziehen lässt. Funky geht dieses Album los und verspricht nicht, sondern setzt selbsttönend großes Kino geballt tonal in Szene. Zunächst denkt man an gleichwertige, große Stimmen wie die von Joss Stone oder Melissa Etheridge, sowie an das Rebeisenorgan einer Bonnie Tyler, nur eben so verdammt selbstbewusst und kraftvoll wie selten so frisch vernommen! Sexy Funk Rock/Pop, der absolut on Top dieses Zeitalters steht. Ganz, ganz tiefgehend beeindruckend! Ähnlich funky geht auch "Run" (Track 2) raus und breitet die Pop-Flügel etwas weiter aus. Funk Pop quasi, jedoch absolut fern vom Kitschsound - im Gegenteil, Mr. James Brown (R.I.P.) hätte hier seine helle Freude gehabt. Selbst wenn man nicht der Ober-Funky ist, macht diese Mucke doch direkt vom ersten Moment an Bock und holt einen direkt ab, um mitzunehmen - ohne Gegenwehr und Widerrede. Man muss der gesamten Band, jedem einzelnen Musiker/Instrumentalisten ein riesiges Kompliment machen, denn der musikalische Teppich, den diese ausbreiten, macht diese Stimme, bzw. die Mucke insgesamt erst so dermaßen tough und sexy. Das weiß auch "Like You Do" (Track 3) zu unterstreichen, bei dem man an bestimmten Stellen an die eingangs erwähnte In This Moment Grand Dame Maria Brink denkt. Vor allem Bass und die Blasinstrumente fallen hierbei ebenfalls ins Gewicht des Flows.

Miss Velvet & The Blue Wolf haben diesen Wahnsinn einer positiv verrückten Musikbeklopptheit/Spielfreude, der nicht nur beim Hören ansteckt, sondern auch Risiken eingeht und mit 7:29 Minuten Einzelsonglänge auch Retro geht, just um den "Love Train" (Track 4; Anspieltip II) einfahren zu lassen, der locker in Woodstock hätte Halt machen können, allerdings eher dem der '70er Jahre. Hier teilt sich Joe Cocker Einfluss den Raum mit James Brown und lässt noch tiefer in die bunten Artworks dieser Scheibe abtauchen, die in musikalische Weiten führen, die mit der so manches Trips vergleichbar ist. Zwar klingt hier nichts nach durchgeknallt oder (über-)verrückt, sondern doch eher recht strukturiert, verliert allerdings zu keinem Zeitpunkt den Charme, der zu bannen weiß. Soul-liger wird es beim folgenden " I Can't Stand Rain" (Track 5; Anspieltip III), bei dem nach wie vor Funk mitfliesst. Hätte mir jemand diesen Song vorgespielt und gefragt wer den singt? Ich hätte vermutlich auf Joss Stone getippt, was von der Klangfarbe der Vocals echt verdammt nah dran ist. Da kommt man aus dem Staunen nur schwer wieder raus.

Sehr gespannt war ich u. a. auch auf die Single "Dare" (Track 6; Anspieltip IV), die ich vorab nur flüchtig gehört hatte. Umso öfter man "Dare" intensiv/bewusst hört, umso mehr und mehr brennt sich der Song in die Gehörgänge. Sexy Funk-Rock as it's best. Vollendung, mit Janis Joplin (R.I.P.) Spirit, der auf dem Stimmbändern unterschwellig mitgeht. Allerdings sei die Phrasierung des Joplin-Originals hierbei ein wenig ausgeklammert - Original bleibt immer noch Original. ;-)

Faktisch unumstößlich ist jedenfalls, dass dieses Album Track um Track mit einer verdammt starken Substanz in den Raum läuft und regelrecht monumental stehen bleibt. Die Zeit kann diesem Meisterwerk jedenfalls kaum etwas anhaben. Nicht einmal das Wagnis sogar über die 8:00 Minutenmarke hinauszugehen ändert daran etwas - "Edge Of The Line" (Track 7). Wenn es auch so ab der 5:00 Minutenmarke kurz tripy/experimental wird (allerdings gewollt!), nur, um noch stärker aufzufahren. Big Wow! Wenn dieses Album nicht umgehend für den Grammy nominiert wird, ist der sogen. "Overground" (Mainstream) definitiv hoffnungslos im Selbstfeiermodus verloren! Es braucht die Ohren nämlich genau dort, wo spannende neue Kreationen so stark durch diese Zeiten schallen - "Velvet Door" (Track 8; Anspieltip V). Hier schwingt nämlich immer auch 'ne ordentliche Kante erdigen Rock 'N' Rolls mit. Da die Musikwelt zunächst (zumindest bzgl. der Reviewschreiberei) immer auch Vergleichen und Ähnlichkeiten lebt, kann ich angehörs dessen definitiv von Maria Brink (*In This Moment), Bonnie Tyler oder auch dem männlichen Pendant Blackie Lawless (*W.A.S.P.) sprechen. 

Nicht einmal balladeske Töne wie bei "Drowning" (Track 9) können Miss Velvet & The Blue Wolf etwas anhaben. Es scheint eher gesichert, dass die Generationen auf diesem Album eine zukünftige (Gesangs-)Ikone hören. Auch besonders stark die The Doors zugeneigten Gitarrenklänge. Mit "Summertime" (Track 10) geht es in diesen Wintertagen etwas gefühlt paradox in Richtung Finale. Auch hier gestaltet es sich eher ruhiger, wird aber auch von kraftvollen Parts durchzogen und bleibt zum Schluss eher Blues Rock-ig. Im Zenitabgang mit der Gewichtung auf Rock ala Janis Joplin, nur deutlich zeitgemäß härterer Prägung.

Wer dieses Album nicht wenigstens mal ancheckt verpasst eine Delikatesse unter den Alben des Jahres 2.017. Wer auf unantastbaren Funk/Blues Rock der Sondersorte steht, kann hier - nein muss sogar regelrecht blind ordern/zugreifen.

Schafe Schüsse Hammermarke!

10/10 Schafe Schüsse

 

(Istopia Records/Heresy Records/ Naxos DE 2.017)

https://www.missvelvetandthebluewolf.com/

https://www.facebook.com/missvelvet

Danny B

Schaf Schüsse: 

10
Eigene Bewertung: 10

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