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DEZPERADOZ "Call Of The Wild"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

05-2017

Label: 

Genre(s): 

Denkt man anfangs spontan an dieses herrlich gaumenerfrischende, tasty Tequila flavoured Beer, wenn man diesen Bandnamen liest/hört, beliest man sich kurz mal direkt wer oder was denn hinter dieser Band steckt? Offenbar schrieb man sich bis 2.006 noch "Desperados", was man für 6 Jahre seit Bandgründung beibehielt. Für ihr Debütalbum konnten Dezperadoz Tom Angelripper (*Sodom; Onkel Tom) am Mikro verpflichten, der auch als Gründungsmitglied (zumindest lt. Wikipedia) geführt wird. Wenn man sich den Stil "Country Metal" vergegenwärtigt, kommt dabei ein zunächst etwas schräges Bild in den Kopf geschossen... Tom Angelripper mit Cowboyhut, besticktem Hemd und Westernstiefeln??? Nein, daraus wurde nichts, da Angelripper nach dem Debütalbum "The Dawn Of Dying" (*2.000) die Band verließ, um sich auf Sodom und Onkel Tom zu konzentrieren. Es dauerte 6 Jahre bis zum Folgealbum "The Legend And The Truth" (*2.006) bei dem Gründungsmitglied Alex Kraft den Gesang mit übernahm und auch die Schreibweise des Bandnamens änderte. 

Mit "Call Of The Wild" erschien nun das bereits fünfte Studioalbum von Dezperadoz und dreht sich konzeptionell um Billy The Kid (*1.859-1.881), dessen legendärer Mythos für zahlreiche Westernfilme bleischweren Stoff lieferte. Nun ja, wer darauf abfährt... für mich persönlich bestand der Reiz dieses Albums eher in der Stilbezeichnung "Country Metal", dem ich bislang teilweise die frühen Volbeat (* mit denen Dezperadoz u. a. auch schon tourten) Sachen zugeordnet hätte. 

Mit "W. H. Bonney" (Track 1) eröffnen die vier Heidelberger, wovon nur drei im Albumbooklet genannt werden, "Call Of The Wild" rein instrumental in typischer Western-affiner Szenarie. "Hell & Back" (Track 2; Anspieltip I) legt dafür den direkten Kickstart hin und fährt die Kutsche auf hot Wheels mit Heavy- und Thrash Metal Parts staubig in den Raum. Die Gewichtung liegt, dank des Gesangs, stark auf den Heavy Parts, die durchaus mitreißen bzw. die Nackenmuskulatur amtlich zur Aufwärmübung rufen. Die Produktion geht jedenfalls fett raus, was auch dem Albumtitelstück "Call Of The Wild" (Track 3) zugute kommt, das melodisch im Midtempo mit typischen Heavy Metal Hooks wildert. Die Gitarrensoli lassen Traditionen neu aufblühen. Wer auf modernen, aufgepeppten Heavy Metal abfährt, der von so mancher '80er Jahre Hochzeit-Combo beeinflusst wird, der/die sollte hier mal auf Ohrfühlung gehen - "Silver City Shuffle" (Track 4).

Die Country Einflüsse kommen bis dato eher dezent mit/durch. Erst bei "600 Miles (The Escape)" (Track 5; Anspieltip II) kommt davon mehr durch. Rein stimmlich fühle ich mich (genauso teil-musikalisch) ein ganz klein wenig an Ugly Kid Joe erinnert, obwohl die in ihrer Hochphase gewiss nicht unbedingt im Heavy- oder gar Country Metal zu Hause waren. Dafür dürfen die Country Tiefen mittels "All The Long Way Home" (Track 6) weiter ausgelotet werden und lassen etwas Cash/The BossHoss/Jon Bon Jovi (leider fehlt hier der typisch authentische Ami-Farmer/Redneck Slang) Atmosphäre aufkommen. Irgendwo zwischen Ballade und Semi-Ballade, dem auch eine Art Guns 'N' Roses Minimal-Tributsoli (man denke an Slash's Soli in "November Rain") inneliegt. 

Immer wieder laufen die Grübelzahnräder in Hochrotationslauf auf der Suche danach an wen mich Alex Kraft's Stimme erinnert? Sebastian Bach? (*Skid Row) Ich bin mir nicht gänzlich sicher, könnte aber sein - "Bullets N' Bones (The House)" (Track 7). Wessen Stimme bei "Lincoln County War (The Regulators)" (Track 8; Anspieltip III) neben Alex Kraft in diesem Melodic Country Pop Rock Song auch zu hören ist, würde ohne den Hinweis im Booklet nicht zwingend sofort auffallen, denn selbst ein alter Sodomaniac wie ich hätte Mr. Tom Angelripper hier nicht sofort erkannt. Wer hier jetzt aber eine Suff-Onkel Tom-Nummer erwartet, ist beim falschen Album gelandet, zumal es musikalisch gesehen Open Mind Spirit braucht. 

Das folgende "Mexican Standoff (Interlude)" (Track 9) markiert einen dramatischen Höhepunkt der Story. Showdown? Findet es am Besten selbst raus! ;-) "Thirty Silver Dollars" (Track 10; Anspieltip IV) bringt einen weiteren Country Pop Rocker zu Ohren und hat das Zeug auch im Radio stattzufinden. Dank des Chorus grüßt hier auch der Ohrwurm fies von hintenrum. Sehr catchy! 

Ein weitereres Metal Icon kommt mit Victor Smolski (*Rage) via Solo bei "Back In The Saddle (Hello Bob)" (Track 11) zum Vorzuge, neben dem Jan Lindquist (hat man sich im Booklet verdruckt und meint Jan Lindqvist?) Slide und Lapsteel bespielt, wie schon beim Opener "W. H. Bonney". 

Es geht nun langsam, aber zielsicher in Richtung Prärieende, "Fandango" (Track 12; Anspieltip V) schürt ein letztes Mal die instrumentale Western-Film-Atmo und macht tatsächlich inwendigen Bock auf, wozu man nicht mal großartiger Western/Country Fan sein muss. "Smile As My Last Day Ends" (Track 13) knüpft dann auch schon den typischen Finalstrick hinter dieses Album, das vielleicht nicht unbedingt für die tägliche Beschallung infrage kommen mag, aber doch starke, frische Ansätze mindestens zweier Stile in sich trägt. 

7,0/10 Schafe Schüsse

(Drakkar Entertainment GmbH/Soulfood 2.017)

http://www.dezperadoz.de/

https://www.facebook.com/DEZPERADOZ/

Danny B

Schaf Schüsse: 

7
Eigene Bewertung: 7

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