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MATT GONZO ROEHR

MATT GONZO ROEHR
MATT GONZO ROEHR


MATT GONZO ROEHR

 "Einmal an der Freiheit geleckt..."

 Das Weihnachtsinterview mit Matt sorgte hier auf schafe-schuesse.de bislang nicht nur für die Spitzenposition in Sachen meistgelesenes Interview, sondern auch für die heftigsten Reaktionen überhaupt. Nicht nur hier auf schafe-schuesse.de, nein auch in diversen (die Böhsen Onkelz betreffenden-) Foren im World Wide Web. Leider reagierten Manche mit äußerst respektlosen Kommentaren und beschuldigten Matt nicht nur der Lüge, sondern versuchten eben jene Damen und Herren, die sich hinter ihren internet-anonymen Pseudonymen (Nicknames) in Deckung hielten, Matt das "Signum des Verrats" aufzubrennen, was für mein subjektives Empfinden schon BILD-Zeitungsniveaunähe hatte und absolut nichts mehr mit Fantum oder Objektivität zutun hatte.

Dass Matt aber auch nur ein Mensch ist, vergaßen besagte Meinungsmacher offenbar gern?! Matt betonte in den letzten Jahren immer wieder, dass er absolut keine(!) Probleme mit seinem ehemaligen Kollegen Stephan Weidner (alias Der W) hat. Auch das wurde offenbar dezent überlesen?!

 Kurz nach diesem besagten Weihnachtsinterview mit Matt- und den Reaktionen darauf, fragte ich über den offiziellen Weg auch bei Stephan Weidner (Der W) bezüglich eines Interviews an, da ich auch gern seine Sicht der Dinge gehört hätte. Jedoch nicht(!) aus einer Sensationsgier heraus, sondern, weil ich ihm die faire Möglichkeit bieten wollte seine Sicht darzulegen. Leider bekam ich auf meine Anfrage keinerlei Feedback von seiner Seite, was ich wirklich schade fand, zumal ich sein Werk mindestens genauso schätze wie das von Matt, Pe Schorowsky und auch das von Kevin Richard Russell. Doch das just völlig wertungsfrei(!) am Rande.

 Nun aber zurück zu Matt. Als ich mich am 6.04. 2.013 im Vorfeld seiner Tourshow im Berliner K17 erneut mit ihm traf, fragte ich ihn natürlich was er von den teils heftigen Reaktion hält, was er über die Parallelen zwischen der Südtiroler Band Frei.Wild und den Onkelz denkt und nicht zuletzt sprachen wir auch über sein neues Album "Zuflucht vor dem Sturm". Doch lest am Besten selbst und macht Euch Euer eigenes Bild!

Matt: TRIBEgraphix, schafe-schuesse.de ©Hallo Matt, erneut herzlich Willkommen auf schafe-schuesse.de! Ich fange mal direkt mit den eher unangenehmen Dingen an. Vielleicht hast du es ja mitbekommen, aktuell hat unser letztes Interview so um die 8760 Klicks, d.h. dementsprechend viele Leute haben das Interview gelesen. Es gab kurz nach Erscheinen des Weihnachtsinterviews mit Dir teilweise wahnsinnige Stürme der Entrüstung, gepostet von einigen Leuten in diversen Foren, sowie zum Teil auch auf meiner Website. Es gab teils heftige, emotionale Reaktionen seitens der (Onkelz) Fans. Um nur ein paar Stichwörter zu nennen: a) Frei.Wild, was ja immer so ein Ding ist...

Matt (hakt spontan, aber gelassen ein): Ja, kennt man ja schon..

...bezüglich des Themas Frei.Wild, komme ich gleich noch genauer zu sprechen. Im letzten Interview hattest du ja gesagt, dass dein einziges Problem mit Stephan Weidner, was ja u.a. Teil der Brisanz war- und von Fans kritisiert wurde, der Umgang mit den Fans am Ende war. Das war dein Problempunkt, was du ja ganz klar gesagt hast.

Wie erklärst du dir selbst die teilweise heftigen Reaktionen?

Matt: Ich kenne die Reaktionen nicht. Haben sie gesagt "der lügt!" oder...? Keine Ahnung?!

Ich habe dir hier mal die Reaktionen als Ausdruck mitgebracht, die zum Beispiel direkt unter unserem letzten Interview gepostet wurden. Es wurden im Allgemeinen (was vor allem diverse andere Foren betrifft) so unschöne, respektlose Sachen gepostet wie: "Weiß der alte Mann noch was er redet?" und solche Sachen. (Matt lacht amüsiert) Ich fand es teilweise arg unter der Gürtellinie, weil da oft kaum etwas Konstruktives dabei war, zumindest bei dem, was ich so gelesen habe. Eigentlich hast du ja ganz klar(!) gesagt- und das habe ich ja auch versucht noch einmal nachdrücklich zu betonen, dass du eigentlich total entspannt bist, was das Thema Stephan Weidner oder auch das Thema Frei.Wild betrifft. Wie gesagt zu Frei.Wild kommen wir später noch. Anders gesagt: Bad promotion is somtimes good promotion bzw. es muss ja auch ein wenig polarisieren?!

Matt (entspannt darauf eingehend): Was mir halt wichtig ist, ich kann auch irgendwas sagen.

(ich versuche zu präzisieren, um erneute Misverstände bei den Lesern zu vermeiden)

Oder anders gesagt: Freigeist polarisiert meistens.

Matt (weiter): Ich kann auch irgendwas sagen. Ich bin mein Leben lang bei solchen Sachen bei der Wahrheit geblieben, warum sollte ich da jetzt irgendwie anfangen zu lügen oder irgendwas? Es gibt halt einige Sachen von denen ich mir halt denke die sollten nicht ausgesprochen werden. Ich habe mich eigentlich die letzten Jahre relativ an diese Regel gehalten (stellt Matt selbstreflektierend klar) und habe jetzt halt einfach mal was gesagt...

(Tourmanager Mario reicht Matt Tee und Honig) Oh, das ist lieb. Danke!

(Matt nimmt den Faden wieder auf) ...ich habe jetzt einfach mal was gesagt, das Tatsache war. Gut, ich habe das halt einfach mal erzählt und es gäbe auch noch mehr dazu zu sagen, das möchte ich aber nicht, ich möchte da nicht noch Öl in`s Feuer nachgießen. Ich bin da wirklich entspannt. (versichert Matt glaubhaft) Es macht auch keinen Sinn mich nach den Jahren des Kleinkrieges wieder in den Kleinkrieg zurückzubegeben - das will ich gar nicht.

Ich bin sogar so entspannt, ich habe mich vor gar nicht allzu langer Zeit mit Pe und Kevin getroffen. Das ist vielleicht sechs, sieben Wochen her?! Kevin war gerade vor seiner ersten Show, die lag noch ein paar Wochen hin. Dieses Geiselwind Ding. Und ich bin da auch so entspannt, dass ich auch von den Seiten der Jungs Ruhe habe. 

Pe (Schorowsky) hat in dem Interview, das ich mit ihm geführt habe, auch ganz offen gesagt, dass zwar hin- und wieder ein paar negative Energien aufschwappen, aber sonst eigentlich alles ganz entspannt ist und es nur einen Funken bräuchte.

Matt (pflichtet nickend bei): Genau. Und ich möchte da jetzt auch wirklich nicht noch weiter in die Kerbe reinhauen. Manche Leute können halt einfach die Wahrheit nicht vertragen oder haben so ein Bild, dass alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, was es ja auch über zwei Jahrzehnte war! Es gibt aber, wie in jeder Familie auch, Punkte wo es mal Reibereien gibt. 

Wie gesagt, ich habe wirklich versucht das ein wenig zu entkräften/ zu entspannen, indem ich sinngemäß sagte: "Ey Leute kommt doch mal runter!"

Zuerst einmal sehe ich es a) aus der ehemaligen Sicht eines Die Hard Fans sozusagen, zumal ich selbst ein riesiger Onkelz Fan war. Mittlerweile relativiert sich das naturgemäß, weil man sich sagt, dass ihr Onkelz auch nur Menschen seid, genauso menschlich sind die dahinterstehenden Schicksale. Für mich geht es nicht um die grosse Sensation, ich versuche meine Interviews nie auf diese Art auszurichten, ich versuche den Interviewparter einfach so darzustellen wie er/ sie ist. Und wenn jemand so oder so ist, dann ist er/ sie so.

Kommen wir einfach zum nächsten Thema: Frei.Wild. Es gab ja so einige Kontroversen. Du hast damit nur in sofern zutun, dass du mit dem Philipp Burger (Frei.Wild Sänger) ein Bisschen zusammenarbeitest, also Frei.Wild an sich ist ja nicht deine Baustelle, zumal du dein eigenes Ding machst. Es gab zuletzt erneut heftige Reaktionen, gerade was die Echo Preisverleihung hier in Berlin betraf. Das hast du ja bestimmt mitbekommen?!

Was dann aber dich betrifft war ein Post von der Band Jenifer Rostock auf deren Facebook Site und deren offiziellen Website, dass sie bei ihren Konzerten keine Fans mit Onkelz- oder auch mit Frei.Wild Shirts (in gleichem Atemzug erwähnt) sehen wollen. Das gab es alles schon einmal. Ich kenne das aus bereits den '90ern.

Matt (lacht zustimmend): Ja, ich auch... Jenifer Rostock - wer ist das? Kenn´ ich nicht.

Eine relativ bekannte Pop/ Rock Combo.

Matt: Heute hier, morgen da und dann wieder weg oder was? Also von diesen Spinnern habe ich im Laufe der Jahre so viele kommen und gehen sehen. Wenn da einer meint er müsste versuchen sich mit unserem Namen interessant zu machen, kann er das gerne machen, wenn da Substanz hinter ist und die sich ein Bisschen halten können, okay. Aber ansonsten tangiert mich das überhaupt nicht. Von solchen Fuzzies habe ich Hunderte kommen und gehen sehen.

Ich hätte das auch gar nicht thematisiert, wenn Stephan (Weidner; Der W) nicht ein öffentliches Statement in Form eines offenen Briefes in Richtung Jenifer Rostock geschrieben hätte, wo ich denke, dass er das eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, zumal man damit ja, um dich mal zu zitieren, wieder Öl in`s Feuer gießt.

Matt (stellt klar): Ich würde mit diesen Leuten auch nicht anfangen zu diskutieren. Das sind irgndwelche nichtigen Bands von denen ich jetzt zum Beispiel noch nie was gehört hab. Die interessieren mich einfach nicht. Da `ne Reaktion drauf zu zeigen ist einfach schon viel zuviel.

Ich hatte gedacht du hättest das vielleicht mal am Rande mitbekommen?!

Matt: Nee.

Matt: TRIBEgraphix, schafe-schuesse.de ©Naja das ist auch gut so, wenn du dich eher auf deine Sache fokussiert konzentrierst. Aktuell hast du mit Philipp Burger in Sachen Songwriting zusammengearbeitet. Da gibt es einen Titel von Stephan Weidner alias Der W: "Kampf den Kopien", da geht es um Bands, die in die Onkelz Kerbe hauen bzw. sich von den Onkelz ein Bisschen was anleihen, das dann vermengen oder bei manch´ schlechter Band sogar so ein zu offensichtliches Kopieding entsteht.

Matt (hakt spontan ein): Da sehe ich allerdings bei Frei.Wild gar nicht so viele Schnittmengen. Es ist natürlich klar, wie bei jedem Musiker, der jung ist und gross wird, man hat seine Vorbilder, seine musikalischen Helden und nimmt natürlich da auch was von. Das habe ich ja genauso gemacht wie alle Anderen auch. Dann ist es natürlich klar, dass in den ersten Jahren gewisse Schnittmengen da sind, nicht von der musikalischen-, sondern von der Grundsatzidee oder als Vorbild genommen, wenn man sagt, wie trete ich meinen Fans gegenüber auf(?) u. s. w., da ist es natürlich klar, dass man sich da irgendwo Anleihen nimmt. 

Ich muss dir allerdings dazu sagen ich habe mit Frei.Wild schon Jahre zutun. Und auf denen ihren Platten, zum Beispiel der Letzten oder auf den Letzten da sehe ich überhaupt keine Schnittmenge mit den Böhsen Onkelz muss ich ganz ehrlich sagen. Musikalisch gesehen ist Frei.Wild `ne Punk Band, schon fast Punk-Pop Band teilweise, während wir (die Böhsen Onkelz), denk´ an die Alben "Schwarz", "Weiss", "E.I.N.S.", "Hier sind die Onkelz", als es wirklich ernst bei uns wurde und wir uns auch ernsthaft damit auseindergesetzt haben, also mit der Musik, eigentlich aus einer ganz anderen Richtung kamen. Das waren wirklich mehr oder weniger Rock Alben mit allem Drum und Dran. Und bei Frei.Wild sehe ich das Ganze doch eher im Punk Bereich angeordnet.

Also ich finde dass wir da musikalisch, jedenfalls jetzt aktuell, was Frei.Wild jetzt aktuell- oder die letzten zwei, drei Alben betrifft, sehe ich da keine musikalischen Schnittmengen. Klar, beide Bands singen deutsch, is klar. Die Themen überschneiden sich auch teilweise, aber selbst da...

(ich hake mitanalysierend ein) Vielleicht machen es die Leute ja daran ab?

Matt (weiter): Ich finde das selbst gar nicht schlimm ist. Also wenn ich von Kopien reden würde, dann gehen mir eher diese unsäglichen Coverbands oder Veranstaltungen wie die G.O.N.D. oder sowas auf den Zähler, wo Leute mit der Arbeit, nämlich mit den Songs, die wir geschrieben haben, die ganze Arbeit, die wir da reingesteckt haben u. s. w., richtig Kohle verdienen. Sich selbst aufführen als wären sie die Megarockstars und das eigentlich alles auf unseren Schultern austragen. Und da muss man jetzt mal wirklich ganz ehrlich sagen sowas hat Frei.Wild ja nie gemacht. Die haben ihre eigenen Songs geschrieben u. s. w.!

Also diese Bands sehe ich eher als Kopien, aber jetzt nicht eine Band wie Frei.Wild, die eigenständig arbeitet, eigenständige Lieder schreibt und sich, wie ich finde, mittlerweile auch wirklich von diesem Vorwurf freigesprochen hat, dass ich da... ich habe mir die letzte Scheibe ("Feinder deiner Feinde") auch explizit unter diesem Vorwurf mal angehört und ich muss dir ganz ehrlich sagen, ich sehe da keine grossen Schnittmengen.

Gerade die G.O.N.D. ist ja so ein Thema für sich. Ich selbst war noch nie bei der G.O.N.D. und werde auch nicht hinfahren. Nicht, weil ich die Onkelz nicht mehr feiern will, sondern ganz einfach, weil ich a) wie ich schon das letzte Mal sagte "Mexico" ehrlich gesagt ein Bisschen leid bin...

Matt (lacht amüsiert scherzend): Da musst du heute bei der Zugabe rausgehen...

(ich nehme den Faden wieder auf) ...und b) wenn ich mir allein die Merchandise Artikel von der G.O.N.D. ankucke, dann denke ich mir, dass das zuviel des Guten ist. (was meine subjektive Sicht bezüglich der G.O.N.D. ist!)

Matt (zustimmend): Ja, das ist wahr! Es gibt Leute, die verdienen sich da `ne goldene Nase dran.

(ich ergänze) Und wie du schon sagtest geschieht das ja quasi mit dem Namen der Onkelz.

Matt (weiter): Diese Verehrung hat vielleicht in den ersten Jahren mal stattgefunden. Mitttlerweile ist das ein rein kommerzielles Unternehmen, wie du es gerade schon sagtest, die Vergleichbarkeit der Merchandise Artikel u. s. w., das ist alles schon ganz schön unverschämt muss man ganz ehrlich sagen! Ich meine Ehre wem Ehre gebührt, wenn ich ein Onkelz Tributefestival mache okay, aber wenn ich dann sehe "Hey, damit verdiene ich Millionen..." und das ist so(!), man achtet nicht auf die Qualität, die Bands, die da spielen, da ist ja teilweise eine Qualität... da braucht man sich jetzt nicht drüber zu unterhalten.

Dieser Punkt ist mir neulich mal durch den Kopf gegangen, als ich gerade an dich gedacht habe, die ganzen Onkelz Coverbands mit denen man ja auch als Reviewschreiber konfrontiert wird, wo es in den '90er Jahren vielleicht 5-6 oder maximal 10 Bands dieser Art gegeben hat, gibt es heutzutage wahrscheinlich 50-100 Onkelz Coverbands?!

Matt: Das ist für diese ganzen Leute einfach ein einträgliches Geschäft. Klar startet man irgendwann aus Enthusiasmus, aber es gibt ja auch Leute, die starten das dann auch aus einem finanziellem Interesse heraus. Die sagen "Hey, wenn ich `ne Onkelz Coverband bin, dann kann ich pro Jahr, was weiß ich, vielleicht 40 Konzerte spielen." oder irgend sowas und das ist dann natürlich ein finanzieller Aspekt, der auch zu tragen kommt.

Gerade heute mehr denn je, glaube ich. Der positive Aspekt an der ganzen Geschichte ist, dass die Onkelz noch immer zeitlos sind. Wobei ich da auch schon fast wieder bei der nächsten Frage bin...

Matt (hakt ein): Darf ich mal kurz noch etwas einflechten? Weil es jetzt in diesen Tagen ganz aktuell ist, kann auch sein, dass es gestern war, ich weiss es gar nicht mehr so genau?! (grübelt Matt) Dass Stephan (Weidner; Der W) wieder seine Tour absagen musste? Hast du da etwas mitbekommen?

(Matt überraschte mich auf`s äusserst Positive mit dieser Frage!) Soweit ich mitbekommen habe, hat er wohl einen Unfall gehabt und zwei, drei Rippenbrüche davongetragen. Er liegt im Krankenhaus. Warum genau weiss ich allerdings nicht.

Matt (auf Stephan`s Situation eingehend): Ich finde es schade, muss ich ganz ehrlich sagen!

Aber soweit ich weiß, hat er wohl nicht die komplette Tour abgesagt. Er hat wohl vorerst nur zwei Daten abgesagt, glaube ich. Wien und noch ein Konzert?!

Matt: Zwei, aha. Na gut, ich hab es nicht so richtig mitbekommen.

Soweit ich es verstanden habe, wusste er noch nicht genau wann er wieder fit wäre. Da ist zum Beispiel in seinem Vorprogramm eine sehr gute Band dabei: Toxpack.

Matt: Ja, die kenne ich. Mit denen habe ich auch schon gespielt. Wie heisst dieses Festival in Geiselwind? (grübelt Matt vor sich hin) F.E.K.!

Nee also ich find`s schade, weil wir mittlerweile alle vier sozusagen unterwegs sind und ich finde, dass auch jeder seine Berechtigung hat. (sagt Matt mit Ausrufezeichen in seiner Stimme) Jeder macht das was er will und jeder schwimmt sich da auf seine Art und Weise frei, sucht sich auf seine Art und Weise Bestätigung. Sowas sollte von den Leuten honoriert werden! Und nicht die Onkelz Coverband XYZ. Die G.O.N.D. ist ja nur ein Beispiel, was wir hier benennen. Es gibt ja auch noch andere Sachen wo 20.000 Leute hinrennen. Aber zu den Originalkünstlern, wo du dann sagst "Ey, die haben die Songs geschrieben, das ist der Künstler, dem wir das hier alles verdanken...", zu dem kommen was weiss ich 500 Leute, 1.000 Leute oder irgend sowas, der fällt eigentlich aus dem Interesse - das finde ich ein Bisschen merkwürdig! Und das ist für mich, ich hab`s ja beim letzten Mal schon gesagt, schon irgendwie eine Besonderheit, die es wahrscheinlich auch nur in Deutschland gibt?! (lacht er feststellend)

Ja, wahrscheinlich?! In Amerika zum Beispiel ist das glaube ich auch eine ganz andere Nummer?!

Matt (zustimmend): Ja. Da hast du deinen Künstler, egal was er macht. Auch wenn er solo weitermacht oder sonst irgendwas - du gehst da hin. Und nicht so wie hier, wo einige sagen "Nee, das wollen wir jetzt nicht mehr. Wir gehen jetzt lieber zu einer Onkelz Coverband.". Das ist für mich sowas von unverständlich, das kannst du dir echt nicht vorstellen! Also wirklich!

Ich verstehe dich total! Ich verstehe genau was du meinst! Ich kann nur gerade aus Zeitgründen nicht intensiver darauf eingehen.

Matt: Alles klar. Nee, dann lassen wir das. Ich komme jetzt gerade nur darauf zu sprechen, weil ich das gestern halt gehört habe. (bezüglich Stephan Weidner´s Tourausfälle und dem Unfall) Ich find`s nur schade, auch in dieser Hinsicht, dass bei gewissen Leuten nicht mehr die Bereitschaft da ist den Künstler zu unterstützen, der... gut ich will jetzt nicht reden, bei mir ist alles gut! Heute ausverkauft u. s.w., also alles prima! (versichert Matt glaubwürdig) Ich habe es aber auch schon anders gesehen. Beim Kevin (Richard Russell) zum Beispiel, obwohl der Kevin auch `ne ganz andere Schiene fährt. Er spielt ja praktisch einfach die alten Songs.

Ich habe selbst nur ein paar neuere Live-Schnipsel von ihm auf YouTube gesehen.

Matt (weiter): Das ist ja `ne ganz andere Sache. Es gibt ja die Songschreiber aus der Band, die machen ja weiter und schreiben weiterhin Songs. Und ich finde das muss von den Leuten einfach mehr honoriert werden! Also dieses "Nein, wir wollen nur die Onkelz Songs hören und sonst nix." das nervt auch.

Das ist natürlich verständlich. Aus meiner ich sage mal "ehemaligen" Fansicht zumindest. Ich würde mich halt nicht mehr als "Fan" in dem Sinne bezeichnen, klar ich mag die Onkelz nach wie vor, keine Frage, aber ich höre es halt nicht mehr jeden Tag.

Matt: Ich auch nicht. (gibt Matt lachend zu Protokoll)

Also ich würde es schön finden hier und da mal verschiedene Lieder zu hören, die zum Beispiel nie live aufgeführt worden sind. Da hat ja jeder so seine Favoriten.

Matt: So war das damals bei den Onkelz auch schon. Das Problem ist halt einfach, dass du an einem gewissen Standard(Set) nicht vorbeikommst. Das ist das Problem. Du wirst es ja heute Abend bei uns sehen. Wir sind dann ja so frech und bauen die Dinger einfach um. Achte mal auf "Regen" heute Abend. (lacht wissend) Das ist ja das Recht, was ich mir als Mit-Songschreiber, wie wir es damals waren, einfach rausnehme. Da lasse ich mir auch von den Fans nicht reinreden. Gut, aber jetzt dann auch noch schlechte Coverbands zu sehen, die die Lieder dann noch nicht einmal richtig spielen, dann reicht`s bei mir auch. Das ist nicht das, was mich interessiert. Mich interessiert Songschreiben und Weitermachen. Und das wird Stephan (Weidner; Der W) genauso gehen, den interessieren auch keine Coverbands, deswegen hat er wahrscheinlich auch irgendwann den Song "Kampf den Kopien" geschrieben?!

(ich werfe spontan ein) Ja, der ist vom aktuellen Album Der W Album "III".

Matt: Ach so?! Aber Frei.Wild würde ich da auf gar keinen Fall mit einbeziehen. Aber bei der Sache, über die wir gerade gesprochen haben, auf jeden Fall.

Er (Stephan Weider; Der W) hat ja auch nie in einem Interview den Namen Frei.Wild fallen lassen (soweit ich das mitbekommen habe), das wurde ihm dann offenbar in den Mund gelegt?!

Matt (hakt präzisierend ein): Ich wollte das ja auch nicht unterstellen. Nur weil wir uns vorhin gerade darüber unterhalten haben. Den Namen würde ich da auf gar keinen Fall mit einbeziehen! Das ist `ne eigenständige Band, aber es gibt `ne ganze Menge Anderer, die mir da sofort einfallen würden, denen ich dieses Ding auch umhängen würde.

Kommen wir nun mal zurück zu deiner eigenen Karriere. Dieses Jahr ist ein kleines, feines Jubileum der Alben "Schwarz" und "Weiss", die nun schon 20 Jahre alt sind und trotzdem nichts an Thematik verloren haben. Abgesehen vielleicht von "Deutschland im Herbst", da hat sich die Thematik eher erweitert mit Bezug auf diese ganze "NSU" Scheiße etc..

Was sind denn so deine Erinnerungen bzw. deine Favoriten bezüglich dieser beiden Alben?

Matt: Erinnerungen habe ich eigentlich viele, gute an die Studioaufnahmen. Weil das war ja praktisch ein Doppelalbum, das wir aufgenommen haben. Ich kann mich erinnern, dass wir damals mit der Plattenfirma gekämpft haben, weil die gesagt haben, dass sie auf keinen Fall ein Doppelalbum veröffentlichen wollen. Dann wurden`s ja auch zwei Alben.

Ich kann mich erinnern, dass wir im Studio am Ende... äh, wie heisst der letzte Song noch mal? Das Instrumental... (überlegt Matt laut)

"Tribute to Stevie"? Nee quatsch, "Baja" meinst du.

Matt: Genau. Ich erinnere mich, dass wir bei dem Song aus Spass vor dem Mikrofon in leere Bierflaschen gepfiffen haben. Keine Ahnung, das sollte eigentlich auch ein Bisschen die Atmosphäre von dem Song unterstützen. Wir haben dann im Nachhinein gesagt "Wir pfeifen wirklich aus dem letzten Loch!" und das haben wir damit demonstriert nach der Produktion. (lacht leicht zurückblickend)

Ja, daran kann ich mich erinnern, an überhaupt diese Produktion von dem Album und... welches Album war es denn noch, das wir mit Helmut Rüssmann gemacht haben?! (fragt Matt in den Raum hinein; es war übrigens z.B.: "Heilige Lieder")

Also alle Produktionen, die wir mit dem Helmut Rüssmann in der Nähe von Bonn gemacht haben, in Hennef, das waren wunderschöne Produktionen. Es gab damals noch richtige Plattenfirmen.

Der Sound war auch sehr speziell. (werfe ich spontan ein)

Matt: Ja, der Helmut (Rüssmann) war damals State of the Art was den Sound betrifft. Der hatte zum Beispiel das erste computergesteuerte Mischpult, der hat noch `ne Festplatte gehabt, das war ein Raum, das Ding war so gross wie zwei Einbauschränke. Das war ein gekühlter Raum, wo das drinstand und so... naja jedenfalls habe ich nur gute Erinnerungen an die Recordings. Es war `ne sehr interessante Zeit. Wir haben in dem Studio beim Helmut viele Leute kennengelernt, das ging vom Jürgen Drews über was weiß ich wen, die da ein- und ausgegangen sind. Wir haben uns da einfach der Musik hingegeben. Ideen sind geflossen, wir haben es direkt aufgenommen und die beiden Alben sind ja ein umfangreiches Werk geworden .

Matt: TRIBEgraphix, schafe-schuesse.de ©Aktuell hast du ja quasi, gerade eben in dem Kontext zu den Alben "Schwarz" und "Weiss, mit dem Phlipp (Burger) aktuell im Heute auch so ein kompositorisches Duo gebildet. ?Ist das für dich, wenn du mit jemanden zusammen komponierst, eine Art Herausforderung, dass du dann noch mal mehr Gas gibst? Ich meine im Endeffekt merkt man das ja doch schon, ob das jetzt mit Stephan Weidner war oder jetzt mit Philipp Burger, zumal dann ja automatisch mehr Ideen mit einfliessen. Dann klingt es auch wieder nach einer anderen Schiene, wobei ich jetzt nicht(!) sagen will ob das aktuelle Album schlechter oder besser ist.

Matt: Nee, man wirft halt zwei verschiedene Herangehensweisen an einen Song zusammen. Der Philipp hat seine Herangehensweise. Er ist ein ganz toller Songschreiber! Ich arbeite unheimlich gern mit ihm zusammen. In dem Fall war es so, dass ich das Album komplett geschrieben hatte, Philipp dann kam und sagte "Lass´ mich mal hören." und wir uns dann noch mal zusammen hingesetzt haben und die Songs überarbeitet haben.

Also `ne Art Feinschliff?!

Matt: `N Feinschliff gemacht haben, Philipp hat teilweise dann noch mal `ne Textpassage zugefügt, `n Refrain zugefügt u. s. w., während das Grundgerüst - nicht das Arrangement, also der Ablauf, also die Grundmelodien sind alle stehen geblieben, Gesangsmelodien u. s. w., wir haben dann halt nur noch mal dran gefeilt. Und das fand ich total interessant. Ich arbeite super gern mit anderen Leuten beim Songwriting zusammen, das ist total interessant, weil du auch mal so ein Bisschen deine Scheuklappen von den Augen genommen kriegst. Und da sagt man sich so kann man das auch machen. Und der eine Song, den er geschrieben hat - "Vor mir nur meine Spur", den habe ich dann auch so arrangiert, dass er für mich passt. Das war schon `ne tolle Sache! Das hat echt Spass gemacht!

Deine Albumtitel fügen sich ja immer mehr zusammen, wenn ich so die letzten Platten betrachte, man könnte fast `ne kleine Geschichte erzählen. Wenn man das mal sieht "Out Of The Great Depression", dann kam ja (abgesehen von den Singles) "Blitz & Donner", jetzt hat ja "Zuflucht vor dem Sturm" so eine gedankliche Brücke zu "Blitz & Donner"...

Matt: Ja. Und auch zu "Out Of The Great Depression". Also ich finde zum Beispiel, dass das aktuelle Album viel mehr mit dem "Out Of The Great Depression" zutun hat, als mit dem "Blitz & Donner" Album.

Ja, also ich habe zwar bislang nur zweimal kurz, mehr oder weniger oberflächlich, reinhören können, weil ich das Album noch nicht besitze. Zuletzt hörte ich heute mal kurz im Internet- und davor bei einer Bekannten mal so mit `nem halben Ohr rein, aber wir kommen gleich noch detailierter zu den einzelnen Songs auf "Zuflucht vor dem Sturm".

Aktuell bist du aber paradoxerweise auf der "Blitz & Donner Tour Part II"? Zumindest war das so auf der K17 Website zu lesen.

Matt (winkt ab): Nee, stimmt nicht. Das ist die "Zuflucht vor den Sturm Tour".

(Ein kleiner Flüchtigkeitsfehler vom K17 Berlin, der sicher dadurch entstand, dass Matt 2.012 den Termin der "Blitz & Donner Tour Part II" auf 2.013 verschoben hatte.)

Hätte mich auch gewundert. Lass´ uns jetzt mal zu den Einzelstatements bezüglich der Songs auf "Zuflucht vor dem Sturm" kommen. Sag einfach was dir spontan dazu einfällt. Beginnen wir mal mit dem Opener: "Vom ersten Blick zum letzten Kuss".

Matt: So`n typisches Ding, man trifft Leute unterwegs, die Strasse des Lebens runter sozusagen. Man trifft sie, man mag sie, es gibt auch viele, die man wieder aus den Augen verliert. Es bleiben einfach nur Wenige dabei, die mit dir mitgehen, weil man sich selbst ja auch im Leben ändert, schlägt vielleicht mal `ne andere Richtung ein, geht dadurch auseinander oder sowas. Das ist eigentlich das Grunsätzliche um das es in dem Song geht. Es ist halt ein bisschen spassiger verpackt, nicht so sehnsüchtig oder ernst.

"Es ist nie vorbei"

Matt: Den spielen wir heute Abend. Den haben wir jetzt auch komplett umgebaut, den spielen wir nämlich jetzt mit Akkordeon.

(ich frage ungläubig erstaunt nach) Mit Akkordeon?

Matt (trocken cool lachend): Naja klar. "Es ist nie vorbei"... der Refrain "Mit fliegenden Fahnen brachen wir auf, nahmen jeden Kampf auf, ließen keinen aus..." (aus dem Song "Es gibt nichts [was für immer hält]") - das ist eigentlich so das Motto meines Lebens oder unseres Lebens, wenn du so willst. Einfach mal auf so `nen Punkt gebracht wie enthusiastisch wir früher waren. Wie wir die Welt verändern wollten u. s. w., aber wir haben`s irgendwo nie verloren. Das ist in uns immer noch drin, wir sind jetzt dadurch nicht...

(ich werfe auf Matt`s letzten Kommentar hin spontan ein) Das ist ja eigentlich genau das Punk Ding oder? Ich habe zum Beispiel viele Jahre vorrangig Metal gehört und dann kam ich irgendwann wieder stärker zum Punk zurück, ich merkte dann "Einmal drin - ist es immer drin!". Und das, was du gerade sagtest, erinnert mich stark daran.

Matt: Es ist einfach so, dass wenn du einmal an dieser Freiheit geleckt hast, am Selbstnachdenken, du brichst auf, bist enthusiastisch, willst die Welt verändern, bist Idealist u. s. w., das verlierst du glaube ich nie im Leben?! Da bleibt man immer Kind.

Mir fällt da zum Beispiel eine treffende Songstelle von Betontod ein: "Wer sich nicht bewegt, spürt seine Ketten nicht." (aus dem Song "Freiheit in Ketten")

Matt: Ja, so einen ähnlichen habe ich auch. (lacht)

Die Weisheiten sind ja im Grunde immer ähnlich.

Matt (steigt mit ein): Oder: "Wer immer mit dem Strom schwimmt.." das ist ja genau dasselbe. Oder "Wer die Flügel nicht ausbreitet, wird nie das Fliegen lernen.". Was es halt so alles an Sprüchen gibt.

"Helden leben lang", da fielen mir spontan die Onkelz ein.

Matt: Genau. Da hat mich ehrlich gesagt auch dieser Spruch auf dem T-Shirt damals inspiriert.

Du meinst "Helden leben länger..." ("...Legenden sterben nie:")

Matt: Ich hab´ das allerdings von der anderen Seite gemacht und habe da so eine Frage draus gemacht: "Wo bist du gewesen, als es darauf ankam?", "Warum warst du nie dabei?".

In dem Song geht es eigentlich um den, der es immer verpasst hat im richtigen Augenblick mal ein Held zu sein, in Anführungsstrichen. Es geht um den, der immer stehengeblieben ist. "Helden leben lang..." sagt man ihm dann, "...Legenden sterben nie.", du hast`s halt einfach... du hast nie den Arsch hochgekriegt und bist halt nicht dahin gekommen.

"Vor mir nur meine Spur", da habe ich so einen leichten Blues/ Country Einfluss wahrgenommen.

Matt (enthusiastisch): Das ist `ne Eric Clapton Nummer muss ich ganz ehrlich sagen. So wie es aufgebaut ist. Ja, das hat Philipp (Burger) geschrieben. Das ist halt... ja so ein Bisschen so `ne philosopische Betrachtung auch in dieser Richtung, dass Keiner vor einem ist, dass man neuen Grund finden muss, aber sich irgendwie doch komischerweise immer im Kreis dreht, weil es unheimlich lange dauert bis die Leute mal mitziehen. Und dann findet man vor sich schon wieder seine Spur, hier bin ich ja schon wieder, ich bin hier doch schon einmal langgekommen, ich muss noch mal durch.

Genau der Song hat mich zum Beispiel an "Out Of The Great Depression" erinnert.

"Das Feuer", den habe ich vorab, glaube ich, mal in einem Trailer von dir gehört?!

Matt: Der war ja auch auf der EP ("Alles ändert sich") drauf. Gut, einfacher Song. "Das Feuer brennt immer noch in mir..."

Schöne Aussage übrigens.

"Zuflucht vor dem Sturm", der hat mich spontan, zumindest als ich ihn heute Mittag hörte, sofort an "Entfache dieses Feuer" (Album "Weiss", Böhse Onkelz) erinnert. Kann das sein?

Matt (überlegt kurz): Ich habe diese Verbindung noch nicht gehört und selbst so auch nicht gezogen, müsste jetzt auch...

Ich weiß auch nicht, das kam mir spontan so in den Kopf geschossen.

Matt: "Zuflucht vor dem Sturm" ist eigentlich dem "Out Of The Great Depression" auch verdammt nah, weil das Thema dasselbe ist. Die Leute suchen, gerade in der heutigen Zeit, um jetzt mal kurz politisch zu werden, bei dem was los ist in Europa und bei dem was noch kommt, ich hab`s dir ja letztes Mal schon gesagt, Deckung - "Zuflucht vor dem Sturm", besinnen sich wieder auf Lokales.

Bzw. wenn man darüber hinausblickt, ist es ja momentan eine sehr, sehr bedenkliche Lage, wenn man denn den Nachrichten immer glauben kann oder darf?! Bezüglich Nordkorea zum Beispiel...

Matt: Ich weiß auch nicht, was da jetzt gehetzt ist?!

Naja, was heisst gehetzt, es geht ja (wieder einmal) um die Atomwaffen...

Matt: Naja, es kommt darauf an was für Nachrichten du kuckst?! Wenn du hier so die Mainstream-Nachrichten kuckst, also denen glaube ich kein Wort von dem was die sagen!

Nee, das nicht, aber egal wohin man geht, irgendwo schnappt man ja immer nebenbei auch mal was auf. Ob man in einem Laden gerade einkauft und da gerade ein Radio läuft oder so, da kriegt man halt ein bisschen was mit...

Matt: Ach letztens habe ich einen Zeitungsartikel gelesen bzw. einen Internetartikel (präzisiert Matt) und den fand ich sehr interessant. Die USA sind ja momentan pleite. Es gibt ja 50.000.000 Amerikaner, die von Essensmarken leben müssen u. s. w.. Die Staatsverschuldung ist ich weiß nicht wie hoch, jedenfalls um ein Vielfaches höher, als die schlimmste Staatsverschuldung in Europa. Der Dollar ist Leitwährung. Die Amerikaner waren dreimal pleite: 1914, 1930 und jetzt (2.013). Und jedes Mal haben sie es durch einen Krieg gelöst, also ihre finanziellen "Engpässe". Deswegen finde ich das jetzt gerade ein bisschen bedenklich, dass da jetzt...

(laut mitdenkend sprudelt aus mir raus) Es ist ja leider Gottes immer so, so blöd das jetzt auch klingen mag, dass "wenn" solche Mächte wie die USA zum Beispiel irgendwo Krieg machen, ist es ja immer so, dass die dann auch immer wieder die Länder mit aufbauen (die sie vorher selbst zerstört haben!), mit ihren Mc Donalds Filialen und was weiß ich nicht noch alles! Also durch den Wiederaufbau kriegen die ja quasi Gelder aus dem Land, das sie gerade vorher ausgebombt haben, was paradox ist!

Matt: Genau, das ist paradox. (stimmt Matt zu) Das ist praktisch das Geschäftsmodell von denen. Deswegen finde ich das ein bisschen merkwürdig.

Da erinnere ich mich gerade bezüglich des Ausbombens an "Bomberpilot" ("Onkelz wie wir..." Album, Böhse Onkelz) zurück. Das ist das beste Beispiel und genau der Song, der es für mein Verständnis in dem Moment auch genau trifft. 

Matt: Die meisten Leute in den USA denken ja auch nicht nach, die kriegen ja da auch Kriegspropaganda über`s Fernsehen. Ich habe da auch noch einen anderen Artikel gelesen, über eine ehemalige CNN-Reporterin, die darüber berichtet hat wie sie dazu angehalten wird die Nachrichten für die Amerikaner zu manipulieren. Viele Leute auf der Welt kucken ja diesen Sender. Man steckt nicht so ganz drin. Glauben tue ich da, was momentan so in der ganzen Propaganda läuft, recht wenig. Man kann wirklich nur mit Grausen dahinblicken (er meint offenbar Nordkorea) und hoffen dass da nichts passiert!

Es ist heutzutage sehr, sehr schwierig geworden. Die wirkliche Wahrheit rauszufinden, gerade weil man Tag um Tag mit zuvielen Informationen zugeballert wird.

Matt (hakt ein): Die Wahrheit wird halt irgendwo in der Informationsflut versteckt.

So ist es. (stimme ich das Thema abschliessend zu)

"Es gibt nichts (was für immer hält)"

Matt: Der Titel sagt eigentlich schon alles. (lacht)

Der hatte mich auch wieder an einen Onkelz Titel erinnert, von dem "Hier sind die Onkelz" Album - "Nichts ist für immer da", der ja ein wenig änhlich ist. (vom Titelklang her)

Matt: Aber vom Song her nicht.

"Tage des Donners", da hast du in den Strophen sehr ungewöhnliche Vocalaufbauten verwendet.

Matt: Genau, mit Sprechgesang.

Fand ich mal eine ganz andere Nummer.

Matt: Fand ich auch. Gut das ist eher so ein bisschen Johnny Cash-mäßig gehalten ist, obwohl die Reaktionen darauf ja sehr unterschiedlich sind. Die Einen sagen eher Hip Hop-mäßig, die Anderen sagen das und so, aber ich find`s gut. Zudem was ich vorher gesagt habe, passt der Song, auch zu unserer Region, was denen wirklich mal fehlt, sind "Tage des Donners", dass die (Politiker) mal wieder lernen wer eigentlich der Machthaber in dem Land - oder in allen Ländern ist, nämlich das Volk! Die sollen für das Volk arbeiten und nicht für sich, für die Banken oder die internationale Finanzindustrie oder sonst irgendwas!

"Penner oder Star"

Matt: Ja, das ist so`n Abriss... so ein bisschen witzig über mein Leben. Wie ich entdeckt habe was ich will. Ich suchte die Weite und so...

Der "Sid Vicious" von früher...

Matt: Ja... (lacht)

"Träumer"

Matt: Ja, "Träumer" finde ich mega! Das ist die erste Ballade überhaupt, die ich in der Nach-Onkelz-Zeit auf einem Album drauf habe und ist halt auch ein Blues-Rock Song. Ich finde ihn total gut. Der ist übrigens aus einem alten Onkelz Riff entstanden, das ich über Jahre mitgeschleppt habe, das aber bei den Onkelz nie Verwendung gefunden hat.

Ich habe mich an das Ding gesetzt, das war naürlich keine Ballade! Aber ich habe mich dann hingesetzt, das Ding genommen und auf`s Klavier übertragen und dann weiterentwickelt und daraus ist dann eigentlich der Song entstanden.

Da könnte man fast sagen "Was lange LIEGT, wird endlich gut."?!

Matt: Genau! (lacht)

"Gegen eure Lügen"

Matt: Ist ja auch auf der EP ("Alles ändert sich") gewesen. Ist auch eher so ein Lebensmotto, dass man immer wieder gegen die Lügen, die einem erzählt werden, aktuelles Beispiel: Frei.Wild, vor 15-20 Jahren die Onkelz, dass man sich das nicht gefallen lassen darf und immer - sein ganzes Leben lang praktisch dagegen angehen muss. Was einmal als Lüge in die Welt gesetzt wird, wirst du ja nicht mehr los.

"Wer nicht kämpft"

Matt: Das ist genau dieselbe Schiene.

"Trotz aller Dornen"

Matt: Eher auch so ein ungewöhnlicherer Song. So `ne Halbballade, aber irgendwie auch so ein bisschen '80er Rock-mäßig?! Hat jetzt keinen besonderen Hintergrund, sondern hat einfach Spass gemacht.

Und der letzte Song "Megalithen bei Sonnenaufgang".

Matt: Das ist schon wieder was ganz Anderes. Da muss ich jetzt mal ein Bisschen weiter ausholen. Du weißt ja, ich beschäftige mich viel mit Geschichte und bin gerade in der Bronzezeit. Ich hatte ein Buch über die Megalithkultur gelesen und da habe ich mir bei dem Song halt vorgestellt wie ist es, wenn irgendeiner von dieser Zeit damals, der nachts in so einem Steinkreis gesessen hat oder hinter Bäumen, Menhir oder irgendwas, Priester oder irgendjemand und in seinem Glauben sieht er die Sonne hinter dem Ding aufgehen und wie die Sonnenstrahlen vorsprühen... da ist ja auch eine Sitar drin, die soll ja diesen Sonnenaufgang simulieren u. s. w., das ist eigentlich der Hintergrund des Songs.

Jetzt sind wir zumindest mit den Songstatements erst einmal durch. Nun habe ich noch zwei Fragen.

Beim letzten Mal hatten wir ja gedanklich aufgeworfen, dass es durchaus mal ganz spannend wäre ein komplettes Onkelz Album live aufzuführen, wo du sagtest, dass man das über ein Voting machen könnte.

Matt: Macht ja Kevin (Richard Russell) jetzt, brauche ich also gar nicht machen. (lacht)

Me and Matt: TRIBEgraphix, schafe-schuesse.de ©Da wäre nämlich meine Frage gewesen, welches Album denn dein Favorit gewesen wäre, wenn...?

Matt: Das ist ganz schwer zu sagen. Gut, ich wäre ich jetzt nicht auf die ganz frühen Alben gegangen, muss ich ganz ehrlich sagen, aber zum Beispiel "E.I.N.S.", "Schwarz", "Weiss" - das wären so meine Favoriten. Das war echt mit die beste Zeit!

Und die letzte Frage, über die wir vorhin schon kurz gesprochen haben: Vermisst du Uruguay manchmal?

Matt: Jetzt im Winter manchmal schon. Aber was ich nicht vermisse ist die ganze Fliegerei, da bin ich schon froh, dass ich nicht dauernd fliegen muss.

Gut, wir haben es wieder einmal geschafft. Ich danke dir, dass du dir erneut die Zeit genommen hast und alle Fragen so geduldig und ausführlich beantwortet hast!

Matt: Danke dir auch!

Danny B

Fotos: TRIBEgraphix, schafe-schuesse.de ©

Diskographie

Böhse Onkelz

Alben

  • 1982 Soundtracks zum Untergang 2 (Sampler)
  • 1984 Der nette Mann
  • 1985 Böse Menschen, Böse Lieder
  • 1985 Mexico (Mini LP)
  • 1987 Onkelz wie wir…
  • 1988 Kneipenterroristen
  • 1989 Lügenmarsch (Picture Disc)
  • 1990 Es ist soweit
  • 1991 Wir ham’ noch lange nicht genug
  • 1992 Heilige Lieder
  • 1993 Weiß/ Schwarz (Doppelalbum)
  • 1994 Gehasst, verdammt, vergöttert… die letzten Jahre (Best of)
  • 1995 Hier sind die Onkelz
  • 1996 E.I.N.S.
  • 1997 Live in Dortmund (Live 2 CD Album)
  • 1997 Danke für Nichts (EP zur Bandbiographie der Böhsen Onkelz)
  • 1998 Viva los tioz
  • 1998 Shape CD (Limitierte Eintrittskarte- Shape CD zur Böhse Onkelz Tour '98)
  • 2000 Ein böses Märchen… …aus tausend finsteren Nächten
  • 2001 Gestern war heute noch morgen (Triple Box, 3-CD-Best of)
  • 2002 Dopamin
  • 2004 Adios
  • 2005 Live in Hamburg (Live 2-CD Album)
  • 2011 Lieder wie Orkane (4-CD Box mit teils unreleastem Live-Material)
 
Singles
  • 1995 Finde die Wahrheit
  • 1998 Terpentin
  • 2000 Dunkler Ort (inkl. erstem, offiziellen Videoclip der Böhsen Onkelz)
  • 2002 Keine Amnestie für MTV
  • 2004 Onkelz vs. Jesus
 
VHS/ DVD
  • 1985 Böse Menschen, Böse Lieder (VHS)
  • 1987 Onkelz wie wir (VHS)
  • 1992 Live in Vienna (VHS/ DVD)
  • 1994 B.O.S.C. Fanvideo (VHS)
  • 1997 Live in Dortmund (VHS/ DVD)
  • 2001 Tourfilm 2000 (2 DVD; inkl. Audio CD)
  • 2001 20 Jahre - Live in Frankfurt (CD/ DVD)
  • 2005 La Ultima/ Live in Berlin (Doppel-DVD)
  • 2007 Vaya Con Tioz (4 DVD Box)
MATT ROEHR
  • 2007 Barra Da Tijuca
  • 2008 UHAD2BTHERE! Live Bootleg Vol.1 (inklusive 3 Videoclips auf DVD)
  • 2010 Out Of The Great Depression
  • 2010 Matt feat. Lovies - Fire and Gasoline (Single; offizieller Song der Deutschen Rallyemeisterschaft 2010)
  • 2010 For What It`s Worth (Single US-Markt; Free Download Single)
  • 2011 Freiheit (Single)
  • 2011 Blitz & Donner
  • 2012 Alles ändert sich (Single)
  • 2013 Zuflucht vor dem Sturm
 
Bücher
  • 1997 Danke für Nichts (Autor: Edmund Hartsch)
  • 2006 Meine letzten 48 Stunden mit den Böhsen Onkelz (Matthias "Gonzo" Röhr)
  • 2010 Out Of The Great Depression
 Anderes (Matt Gonzo Roehr`s Gastbeiträge)
  • 2012 WILDE FLAMME - 1000 Meilen, 1000 Worte (Single)
 

https://www.facebook.com/MATTGONZOROEHR

http://www.myspace.com/mattgonzoroehr

http://onkelz.de/blog/

 

MATT GONZO ROEHR live:

  • 19.04. Pirmasens, Quasimodo
  • 20.04. Geiselwind Gig verlegt! EVENTHALLE
  • 26.04. Kerkraade (NL), The Rock Temple
  • 27.04. Nidda, Lokschuppen
  • 30.04. Mannheim, Alte Seilerei
  • 29.05. Oschersleben, Motorsport Arena Opel Treffen/Fahrerlager
  • 01.06. Ahrntal/Südtirol, "10 Jahre Bad Jokers" Party
  • 07.06. 3476-Oschwand (CH), Onkelz Nacht 2013
  • 06.07. Pfeffelbach, Open Air
  • 22.08. Alsfeld, E&L Festival
  • 31.08. Wertheim, Burg Wertheim Open Air
  • 11.10. Schwäbisch Hall, Alte Börse
  • 12.10. Sursee (CH), Kulturwerk 118
  • 19.10. Affaltar, Zur Linde
 

https://www.youtube.com/watch?v=F1HYK4CJYXo

 

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