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PUERTO HURRACO SISTERS "Goin' Out"

Künstler/Band und Albumtitel: 

Erscheinungsdatum: 

06-2017

Label: 

Genre(s): 

Die Einleitung des beiliegenden Infosheets liest sich interesseweckend "Was passiert, wenn man 50% der Wiesbadener SkaPunkSoul-Helden von Frau Doktor mit Frank Rahm, einem der musikalischen Masterminds von Bands wie Spermbirds, Walter Elf oder Kick Joneses und einen jungen, talentierten Posaunisten zusammenbringt?" (O-Ton) Die Antwort gibt dieses Album, das den Begriff "Ska-Jazz-Boygroup" noch nachwirft. "Boygroup" hm, dieser Begriff weckt ja in mir so richtig fiese Assoziationen (New Kids On The Block, NSYNC und wie die alle hießen), was mich eher zur Flucht veranlasst als zu lauschend zu verbleiben. Alles nur bitte keine dieser Boygroup Vergleiche! In Zeiten von Gendertypisierung, um Vor- oder Nachteile vorab zu implizieren, sollten die Bezeichnungen "Boy-/Girlgroup" langsam eingemottet werden. Ein guter Song, ist ein guter, genauso sollte das auch bei einem/einer Musiker/-in sein. Punkt.

Insofern war nach kurzem An-turn, genauso schnell wieder auf neutral abge-turned. Dabei war es vor allem das Stilcross Ska und Jazz, was mich eine Review zusagen ließ. Nun konnte es auch nur noch die Mucke selbst richten und die leichte Aversionsschräglage in Sachen O-Töne "eine Ska-Jazz-'Boygroup' der Extraklasse: entspannt, gutaussehend, sympathisch und musikalisch von allerfeinstem Tuch." in bessere Auslage zu bringen. Verbal vermarktungsorientiert hoch drei.

Gegründet hat man sich bereits 2.011 und sieht sich aus eigener Sicht im Ska-Jazz, Reggae und Rocksteady, die sich von Hard Bop, Soul Jazz der späten '50er und dem Offbeat Groove des jamaikanischen '60er/'70er Jahre Ursprungs nähren. Ziemlich breite Stilwand, die mit dem Duke Pearson Cover "Sweet Honey Bee" (Track 1) ihren Anfang nimmt. Im Original etwas chilliger ausgelegt, vermengen Puerto Hurraco Sisters (warum eigentlich "Sisters" im Bandnamen?) das Stück mit peppigem Ska Schmiss, der aber in der stilistischen Lounge Music Nähe fährt. Auf jeden Fall hat das was für sich, zumal auch eine Hammond-Orgel zeitweise Teil des Ganzen ist. Dank Gitarrist Frank Rahm kommt mit "Goodbye Louisville Lip" (Track 2) direkt in folge dessen das erste eigene Stück zu Ohren, bei dem auch Gesang mit an Bord ist. Musikalisch klingt es nach schönem Reggae Pop wie man ihn aus weiter Ferne von Bob Marley Ursprüngen kennt. Spontan fällt mir "Could You Be Loved" ein. Allerdings bewegen sich Puerto Hurraco Sisters hier auf moderneren '80er Jahre Ska-Pop-Fluren. Vielleicht kann man sogar ein ganz klein wenig Madness als Einfluss zitieren? Dass die Bob Marley Schule nicht als Einfluss von der Hand zu weisen ist, untermauert "Crème Fraîche" (Track 3; Anspieltip I; was für ein Songtitel), der rein instrumental auskommt und aus eigenem Hause ist. 

Musikalisch können Puerto Hurraco Sisters was, keine Frage. Auch "El Lucio" (Track 4) reiht sich fast mit Jam Session Charakter in die Reihe der eigenen Songs ein, die unbekümmert-lockerleichtes Flair versprühen und wie die Untermalung einer Cocktail Party in einer lauen Sommernacht wirkt. Vom harten Weltalltag bislang keine Spur. Mit "Lupin The Third" (Track 5) covern Puerto Hurraco Sisters den japanischen Jazz Musiker Yuji Ohno, der seit den '70er Jahren aktiv ist. Dessen Version wirkt gegen die Coversion auf diesem Album deutlich chilliger/Bar-affiner. Interessant auf jeden Fall wie Puerto Hurraco Sisters den Song in recht rockigen Ska Flair verpackt haben. Wenn man im Jazz bewandert ist, sollte man sehr wahrscheinlich auch den US-amerikanischen Jazz-Pianisten Joy Calderazzo kennen, der mit "Midnight Voyage" (Track 6; Anspieltip II) als nächstes zu Coverehren kommt. "Midnight Voyage" kommt dem, was ich mir unter nettem Jazz vorstelle, am nächsten. Bar-Lounge-Musik zu später Stunde nach einem dieser Tage, an denen man nicht an Schlaf, sondern an Chillout/Runterkommen und einen letzten Absacker an der Bar denkt. 

Erst mit "When The Morning Comes" (Track 7) folgt wieder eine Eigenkreation der Puerto Hurraco Sisters, die bei mir leider nicht allzu viel bewirkt, wenngleich das Stück sicher seine Hörer/-innen finden wird. Von "SkaPunk" aber fehlt auf diesem Album jede Spur, zumindest, wenn man "Punk" als Schlagwort ernst nimmt. Mit dem Stevie Wonder Cover (*aus dem Jahr 1.969!) "My Cherie Amour" (Track 8) kommt zum Abschluß erneut eine ver-ska-te Version des im Original eher popigen Stückes. Warum Puerto Hurraco Sisters hierbei den Gesang komplett weggelassen haben, will sich mir nicht erschließen. So ist dies' just ein instrumentales Cover, das auch von fähigen Musikschülern hätte eingespielt werden können. 

Alles in allem ein zwar interessantes Album, das musikalisch fit ist, aber eben für meine subjektiven Ohren eher in gehobenere Gesellschaften passt, wo man Oliven auf Holzzahnstochern gespickt ib Cocktailgläsern findet und ein Raffaelo Spot sich vor dem inneren Auge wie von selbst dreht. Große Worte um für meine Begriffe zu laues Album. Wo andere Bands/Kapellen/Combos mal etwas wagen, wurde hier etwas zu brav auf Nummer Sicher gespielt.  

V.Ö.: 30.06.17

 

5,0/10 Schafe Schüsse

(Rookie Records/Indigo/Finetunes 2.017)

https://www.puertohurracosisters.de/

https://www.facebook.com/PuertoHurracoSisters/

Danny B

Schaf Schüsse: 

5
Eigene Bewertung: 5

Review No.: 

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UndTschuess